Monthly Archives: September 2017

Sep 20

LCHF Podcast mit Bernd: „Ehrlich sein zu sich selbst“

By LCHF Institut | LCHF Podcast

Blutdruck zu hoch, Blutzucker zu hoch, Wasser in den Beinen: „Der Arzt erzählte was von metabolischem Syndrom. Und ich wusste nach einigen Schlüsselsituationen: Ich muss was machen“, erinnert sich Bernd (56) aus Heikendorf in der Nähe von Kiel. Ende 2015 recherchiert der Techniker wieder einmal zum Thema Diät im Internet und stößt auf die LCHF und die Community – der Rest ist LCHF-Erfolgsgeschichte.

Hintergrundinformationen zu diesem Podcast findest Du im LCHFblog

SHOWNOTES

Annikas tolle Buchreihe

Das Buch von Annika! Entpuppt: Mit LCHF in ein leichtes Leben

LCHF-Kurs als Online-Gruppen-Programm: RAN ANS FETT (startet wieder am 19.9.2017, Zugang noch möglich bis zum 1.10.!)

Podcast erwähnte Salattorte: Hier als Youtube-Erklärbär-Variante. 

LCHF Forum

 

Und nicht zu vergessen die Musik! Loveshadow: There’s a better way.

Diese LCHF Folge zum Nachlesen

Kathrin: Moin, Moin, Bernd, Kathrin Koehler hier. Wir sprechen heute zwischen Berlin und… sag mal wo Du bist.

Bernd: Ich bin hier im sonnigen Osten, Bad Heikendorf bei Kieler Förde.

Kathrin: Achso, ich dachte immer, das ist dierekt in Kiel. Siehste Du, dass ist noch präziser. Ich hole uns kurz einmal ab (lacht).

Bernd, Du bist Teilnehmer bei Ran ans Fett und wir kennen uns schon eine geraume Zeit. Du hast einmal den Kurs gemacht, Du hast pausiert. Jetzt bist Du ein “Dranbleiber”. Wir kommunizieren immer fleißig miteinander in unserer Facebookgruppe. Neulich hast Du mit einem Freund ein paar Vorher- und Nachherbilder gepostet. Da habe ich gedacht: “Alter Schwede, wir müssen dringend miteinander sprechen!”, weil das ganz großartig ist, was da in den letzten Jahren passiert ist.

Jetzt wollen wir Dich ein bisschen kennenlernen. Erzähl doch einmal, was Du so im Leben machst?

Bernd: Vielleicht sollte ich erst einmal erzählen, dass ich 56 Jahre alt bin. Das ist eine Sache, die auch wichtig ist. Ich arbeite für eine Firma in der Arbeitsplanung, habe also mit Schulungen, Arbeitsplänen usw. zu tun. Ich habe allerdings auch eine Zeit lang (drei Jahre lang) Schulungen geben, also Vorträge gehalten. Dabei hat sich herausgestellt, dass ich das ganz gut kann. Zurzeit wird dort nicht geschult, das heißt, derzeit mache ich Arbeitspläne, bzw. setze Projekte um, wenn neue Prozesse eingeführt werden.

Privat habe ich als Hobby einige Sachen. Ich spiele zum Beispiel Schlagzeug…

Kathrin: Darf ich unterbrechen? Das durften wir auch schon erleben. Da hast Du Dich aufgezeichnet und uns das reingestellt. Ich feier das heute immer noch als großen Augenblick unserer Gruppe. (beide lachen)

Bernd: Da haben sich alle erschrocken, das war nicht so geplant. Vor allen Dingen, dass die kleinen Hunde noch erschreckt wurden. Das wollte ich natürlich gar nicht . (beide lachen)

Dann habe ich noch als Hobby das Modellfliegen. Ich habe einige Modellhubschrauber und das mache ich schon ewig. Es ist ein sehr technisches Hobby, bei dem es viel um das Basteln geht.

Kathrin: Ist das sowas Filigranes, wo dann immer andauernd was kaputt geht?

Bernd: Genau, die Dinger fallen öfter mal runter. Das ist was sehr Filigranes, aufwendig in gewisser Weise und technisch auch sehr anspruchsvoll. Das wird nicht einfach gekauft und dann fliegt es. Das muss zusammengeschraubt, eingestellt, programmiert werden und dann hoffen, das es fliegt. Das Fliegen selbst ist auch sehr schwierig, da muss man lange üben, bis man es beherrscht. Manchmal beherrsche ich es nicht. (beide lachen)

Kathrin: Wir beide haben uns kennengelernt über den Context LCHF. Vielleicht erzählst Du einmal in einem groben Abriß, wie Deine Diät-Karriere ist? Wann hast Du Deine erste Diät gemacht? Welche Stationen gab es da?

Bernd: Zuerst muss man sagen, warum ich überhaupt dick war. Ich bin 1961 geboren und war ein Frühchen. Ich musste im Brutkasten bleiben, ich war ein 7-Monatskind. Das heißt, als ich zuhause ankam, war da so gut wie nichts. Genau das war das größte Problem. Es waren Eltern und Oma und Opa da, aber die kamen aus dem Krieg. Das ist eine Kriegsgeneration. Die haben sich gesagt, den müssen wir aufpäppeln und sie haben mich dann wie eine Mastgans mit allem gestopft, was es gab. Bis ich eingeschult war, war ich ganz dünn, also mit 6 Jahren. Mit 7 ½ oder mit 8 ging ich “bumm” auseinander. Da war ich plötzlich ein fettes Kind und alle waren ratlos.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mit 8 oder 9 eine Diät machen sollte. Das interessante, woran ich mich noch erinnern kann ist, ich durfte keine Nudeln, Kartoffeln, kein Reis essen. Weder durfte ich noch Mehl und Soßen essen. Das weiß ich noch und das war Ende der 60iger.

Kathrin: Vom Grundsatz her gibt es da einige Parallelen. Erzähl erst einmal, wie es weiterging.

Bernd: Dann war viele Jahre nichts. Ich war einfach nur dick. Zwischendurch habe ich noch was gemacht, das war glaube ich ‘89. Auch das war dann mit viel Hanteln stemmen und das schlechte Essen runterfahren. Ich habe auch etwas abgenommen und wieder zugenommen. Das kennen wir ja! 2008 – und das war dann das Entscheidende – habe ich aufgehört zu rauchen. Ich wusste, dass viele Leute, wenn sie aufhören zu rauchen, zunehmen. Ich war dann ganz vorsichtig und habe ganz fettarm gegessen. Es gab nur fettarmen Joghurt, fettarm dies, fettarm das und ich bin quasi explodiert. Es war unglaublich, wie schnell ich 20 kg drauf bekommen habe. Ich bin gerade einmal 168 cm klein und dann 125 kg, das war das höchste Gewicht, was ich wog. Es war unvorstellbar. Es musste was passieren, unbedingt. Ich wusste nicht, was ich machen sollte, ich war ratlos.

Der Arzt sagte, der Blutzucker ist zu hoch. Es war aber nicht so, dass er Medikamente geben musste. Der Blutdruck war zu hoch, ich hatte Wasser in den Beinen, was auch so eingeschnürt war – also ganz komisch, als würden die Socken einschnüren. Das war schon das Wasser, nicht die Socken. Der Arzt hatte mir was von metabolischem Syndrom erzählt, der schon einmal an der Haustür geklingelt hat und mich als Kandidat ausgeguckt hatte. Der sagte: “Du musst Dir was einfallen lassen”. Er hat bloß nicht gesagt was. Irgendwie ergab das dann eine Schlüsselsituation, in dem ich sagte: “Das geht einfach nicht, ich muss was machen!”

Kathrin: Zum Beispiel…, was war das?

Bernd: Einmal war es eine Regenjacke, die ich nicht zumachen konnte. Ich ziehe die an und gehe damit los, Richtung Fähre, mit der ich zur Arbeit fahre. Es fing richtig an zu regnen und ich konnte die nicht zumachen. Nur mit zwei Druckknöpfen. Ich sah dann aus, wie eine Wurstpelle. Wenn man nur zwei Druckknöpfe zumacht, dann bleiben da Felder rundum offen. Ich kam also klatschnass im Büro an. Das war unvorstellbar, wo ich mir gesagt habe: “Mein Gott noch einmal! Da muss was passieren, so geht das nicht! Ich muss was machen!”

Später, als ich abgenommen hatte und es wieder einmal regnete, hing die Jacke da. Ich dachte mir: “Die brauchst Du gar nicht anziehen” und dann dachte ich mir: “Nee, Du hast abgenommen, ziehe die mal an und sehe dem Problem bloß zu”. Die Jacke passte! Das war auch so ein Moment (lacht). Ich kam dann an einem Montagmorgen total gut gelaunt im Büro an und alle so: “He? Was hat der denn?”

Letztendlich war es so, dass ich mit “Schlank im Schlaf” angefangen hatte. Da hatte ich ein Buch in die Hand bekommen und habe zum ersten mal was von den Makronährstoffen, Kohlenhydraten, Koffein und Fetten gelesen. Trotzdem war das noch Ernährung mit vielen Zusatzstoffen, auch mit viel zu viel Zucker.

Kathrin: Das habe ich auch einmal gemacht. Da sind wir den gleichen Weg gegangen. Morgens darf man Nutellabrötchen essen und so etwas.

Bernd: Genau, man isst morgens viel zu viel Zucker, mittags immer Kartoffel und so weiter. Nur abends waren die Kohlenhydrate verpönt.

Wie das immer so ist mit einer Diät, wirkt jede Diät zuerst. Ich habe damit auch abgenommen. Bei dem ganzen gab es nur ein Problem: Ich habe das von Anfang an in eine App “Mein Fitnessplan” eingetragen und die App wollte dann, wenn Du 5 kg abgenommen hast, die Kalorienmenge, die Du gegessen hast, korrigieren. Das war natürlich irgendwie total bescheuert. Ich war deutlich Meilenweit von meinem Ziel entfernt und durfte nur noch so wenig essen, dass ich gehungert habe. Ich denke, das ist so ein Punkt, wo bei vielen der Jojo-Effekt einsetzt. Man nimmt dann wieder zu und ist hinterher wieder fetter. Das wollte ich verhindern.

Über Facebook und über meine Bekannte habe ich dann zum ersten mal was über LCHF gelsen. Ich habe mir das grob angeguckt und mir gedacht: “Die essen morgens Spiegeleier mit Speck, die haben einen Knall.” Damit war das Thema für mich erledigt. Ich habe dann noch einmal tiefer gebohrt und schließlich dann das Buch von Anika “Entpuppt” gelesen.

Kathrin: Schöne Grüße an dieser Stelle und wie immer ein großes Hurra, dass Du dieses Buch geschrieben hast.

Bernd: Das Buch habe ich mir durchgelesen und mir einfach gedacht: “Die Frau hat recht, so wird’s gemacht”. (lacht)

Kathrin: Warte mal, Du hattest irgendwo geschrieben: “Wer Schmetterlingsstäbe brät und dazwischen eine Scheibe Käse legt, ist genau meine Welt”. (beide lachen)

Bernd: Sie hatte geschrieben: “Wenn man mal was auf die Arbeit mitnehmen will und keine Stulle gewohnt ist, kann man auch zwei Scheiben Braten nehmen und dazwischen eine Scheibe Käse legen. Ich habe mir gedacht: “Das muss ich mir einmal genau angucken”. (beide lachen). Ich muss zugeben, ich habe nie zwei Scheiben Braten genommen und Käse dazwischen gelegt.

Kathrin: (lacht). Entschuldigung, ich habe Dich unterbrochen. Wo waren wir jetzt? Du hast das Buch gelesen…

Bernd: Ich habe das Buch gelesen. Aber dann war da die Umstellung und das war alles sehr verwirrend irgendwo. Es war gar nicht einfach, den Anfang zu finden. Schließlich bin ich dann bei Dir gelandet und bin irgendwann über Dein Institut gefallen. Du hattest gerade den Kurs angeboten und der war genau zwischen Weihnachten und Neujahr. Ich musste da ein bisschen schmunzeln. Ich habe seit November angefangen und hatte gesagt: “Okay, der Kurs ist was für mich, das will ich machen.” Ich hatte noch gedacht: “Das ist sehr geschickt platziert, es gibt bestimmt noch einige, die dann zwischen Neujahr und Weihnachten denken: Oh ja, ich melde mich für den Kurs an und bezahle. Dann kann ich weiter fressen.” (beide lachen). So bin ich dann schließlich bei Dir gelandet. Das war der Einstieg in LCHF.  

Kathrin: Du hast im November mit LCHF angefangen und im Januar letzten Jahres warst Du dann im Kurs. Da hattest Du schon ein bisschen abgenommen und bist dann angekommen, quasi.

Bernd: Abgenommen hatte ich vorher schon einiges, aber ich hätte das nie halten können. Das war das Problem, es wäre nie weiter gegangen. Das wichtige war, es war wieder über Weihnachten und vorher durfte man morgens was Süßes essen. Das ist nicht die Erfüllung. Ich habe – was ich sonst gerne esse,  so eine Bratwurst oder ein richtiges Stück Fleisch – Putenfleisch gegessen. Ich habe in gewisser Weise erst einmal richtig reingehauen und habe an Fleisch so einiges nachgeholt und nicht zugenommen. Das war nach LCHF und das war das Schöne.

Kathrin: An der Stelle darf ich verraten, hoffe ich Bernd, dass Du und Dein Slow-Cooker uns viel Freude in der Gruppe zauberst. Da liegen herrliche Stücke drinnen. Du isst durchaus schon gerne Schwein – das  sehe ich den Bildern an. Du legst Dir da ein leckeres Stück Rippe oder ein schönes Eisbein hin. So habe ich es noch in Erinnerung.

Bernd: Habe ich auch schon gemacht.

Kathrin: Einen guten Kohl dazu und dann schlummert das dann im Slow-Cooker vor sich hin. Den Slow-Cooker hast Du auch im Zuge der Ernährungsumstellung gefunden oder?

Bernd: Über den Slow-Cooker habe ich was gelesen. Bei einem Slow-Cooker für 23,50 € kannst Du nichts falsch machen, habe ich mir gedacht. Der ist klasse.

Ich mache auch gerne so einfaches Essen. Für morgen habe ich wieder was vorbereitet. Morgenfrüh fülle ich ihn wieder auf. Da habe ich einfach nur Spitzkohl und Zwiebel klein geschnitten, Knoblauch rein, Salz und Pfeffer. Das ist alles, was da reinkommt.

Kathrin: Mhh lecker…

Bernd: Ich lege mir noch ein Stück Rind dazu. Den habe ich vom Wochenmarkt gekauft, beim Schlachter meines Vertrauens. Den hatte ich eingefroren und das taut jetzt auf. Morgen früh befülle ich den Pott und gehe zur Arbeit.

Bei dem Kohl kommt noch ein bisschen Flüssigkeit mit rein. Das kommt dann in einem tiefen Teller. Das ist schon fast so eine Art wie eine Suppe oder Sud. Da ist unendlich viel Gemack drinnen. Alles ist ohne “Tüte” oder irgend so ein Schweinkram, das ist das großartige daran. Es ist nur ein bisschen Zwiebel, Knoblauch, Salz und Pfeffer dran.

Kathrin: Wenn Du zurückblickst, Du hattest eben gesagt, es war gar nicht so einfach, den Einstieg zu finden und es war vieles verwirrend. So richtig viel gekocht hattest Du vorher auch nicht, oder?

Bernd: Es kommt darauf an, auf welche Zeit wir zurückgehen. Es gab die Zeit, wo das mit Kochen nichts zu tun hatte. Da habe ich einen fertigen Pott Kartoffelsalat genommen, den ich gekauft hatte. Dazu irgendeine Currywurst, die fertig geschnitten in der Packung war, die dann warm gemacht und über den Salat gestülpt und gegessen. Allein bei dem Gedanken daran, wird mir schlecht. (lacht). Es war halt damals so. Oder Tiefkühlpizzen aufeinandergestapelt – würde so die Entfernung, Erde-Mond ergeben.

Richtig gekocht habe ich gar nicht.

Kathrin: Diese feine Küche, wie Du sagst, die schmeckt, das wissen wir beide und das liegt an dem ordentlichen Fett, was an den Stücken dran sein darf.

Du erwähntest gerade den Schlachter Deines Vertrauens. Das geht alles miteinander einher, Deine Einkaufsgewohnheiten haben sich sicherlich auch ein bisschen verändert. Wie sieht das aus?

Bernd: Nein, nein, das stimmt nicht. Die haben sich nicht ein bisschen verändert, die haben sich völlig verändert. Ich kaufe jetzt zum Beispiel auf dem Wochenmarkt ein, das ist immer Donnerstags. Da freue ich mich am meisten drauf. Auf dem Wochenmarkt ist der Schlachter meines Vertrauens, da ist ein Stand von Bio-Sachen. Den könnte ich leer kaufen.

Das Seltsame ist bei dem ganzen, dass ich eine Ernährungsform gewählt habe, zu der ich unter anderem auch gekommen bin, weil da jede Art von Fleisch erlaubt ist. Gerade durch die Ernährungsform, wo alle Arten von Fleisch erlaubt ist, habe ich das Gemüse schätzen gelernt.

Kathrin: Ach guck an…

Bernd: Wenn ich jetzt erzähle, was ich besonderes gekocht habe, dann erzähle ich Dir nicht von einem Stück Fleisch, sondern was von Gemüse, Blumenkohlpüree oder Rohkostsalat mit Olivenöl, Dressing und sowas. Also mehr in diese Richtung. Eigentlich habe ich dadurch das Gemüse schätzen gelernt.

Kathrin: Ich glaube, Du hast insgesamt das Gefühl für gesunde Ernährung entwickelt und da gehört natürlich – weißt Du auch selber, allein wegen der Ballaststoffe und der Inhaltsstoffe – eine gute Portion Gemüse mit dazu.

Ich möchte noch einmal zurück an den Punkt, als Du sagtest, es war nicht einfach den Einstieg zu finden. Was war denn besonders verwirrend? Wo war es so schwer?

Bernd: Was soll ich einkaufen? Diese Einkaufsgewohnheiten eben ändern. Was will ich noch essen? Das war schwierig irgendwie. Wenn ich im Supermarkt oder beim Discounter war, kam kaum irgendetwas in Frage, denn Zusatzstoffe sind überall drin. Ich bin großer Wurst-Fan, ich esse relativ viel Wurst. Wurst ist ein heikles Thema, denn da kann man alles reinstopfen. Das heißt, da muss man auch schon wieder einen Schlachter des Vertrauens haben, dass man sagt: “Okay, der hat nicht ganz so viel Mist drinnen, wie die anderen”. So sehe ich das mittlerweile.

Es gibt hier im Ort einen Schlachter, wo man hingehen darf und zugucken kann, wie er die Wurst macht. Bei dem bin ich irgendwie nie. Er ist ein bisschen weiter weg, andere sind dichter dran. Der Mann des Vertrauens, der macht die Wurst selbst und das kann man auch schmecken, dass das was anderes ist.

Überall sind Zusatzstoffe drin, das muss man dem Kopf klar machen. Was will ich noch kaufen und was will ich nicht kaufen ? Ich bin jetzt schon wochenlang kaum im Supermarkt gewesen, außer es musste unbedingt sein. Hier in dem Ort gibt es noch einen kleinen Gemüseladen, der hat Bio-Gemüse da. Das kostet zwar eine horrende Kohle, aber ich esse halt nicht mehr so viel. Es ist ja nicht den ganzen Tag fressen und dies und das. Es sind gezielte Mahlzeiten. Dafür arbeite ich und dann will ich mir das auch einmal leisten.

Kathrin: Ich glaube was die Zuhörer und Zuhörerinnen wissen wollen ist: Du sagtest, Du hattest gestartet mit 125 kg. Wo bist Du jetzt?

Bernd: Heute bin ich bei 91 kg und vor drei Tagen war es 90 Komma irgendwas. Ich war auch schon bei 89 kg.

Kathrin: Wir beide mit unserem Kampf um die 90 kg. (beide lachen)

Bernd: Die 90 ist irgendwie so eine Art Schallmauer. Irgendwann breche ich da durch.

Kathrin: Ja das wird passieren…

Bernd: Es ist diese Umstellungszeit. Wann ich esse, ist irgendwie wichtiger, als was ich esse.

Kathrin: Erzähle mal…

Bernd: Als ich zum Beispiel Anikas Buch gelesen habe – ich glaube das steht in ihrem Buch,  ich habe inzwischen soviel gelesen, das ich mich da nicht festlegen möchte – dass einige sagen: “ Ich muss morgens nichts essen, ich esse erst nachmittags um 14:00 Uhr”. Da habe ich nur gedacht: “Ohhh, um Gottes Willen, wie machen die das denn? Das geht doch gar nicht, bis dahin ist man gestorben. Da bekommt man Kopfschmerzen, unterzuckert, man fällt tot um, man kann nicht arbeiten”. Das waren meine Gedanken am Anfang. Aber dadurch, dass man den Brennstoff von Kohlenhydrate in Fett wechselt, während der Körper nicht nur das Fett verwertet, was man mit der Nahrung zu führt, sondern auch das, was man mit sich rumschleppt. Das ist auch der Trick dabei. Jetzt komme ich locker 20 Stunden ohne Nahrung aus. Das geht, ganz besonders, wenn man beschäftigt ist. Was die meisten Leute glauben ist, dass man dann irgendwie schwach ist oder so. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich war bei der Arbeit noch nie so wach und so leistungsfähig. Ich muss nichts mitnehmen, es reicht, wenn ich nach Hause komme und was esse. Das reicht völlig.

Kathrin: Das ist spannend, wie sich das umstellt oder wie die Gedanken vorher sind: “Nie im Leben”. Das habe ich vorher auch gedacht. Ich weiß auch, dass ich am Anfang auch viel gefrühstückt habe, einfach, weil das die alten Muster sind. Nach und nach legt man dann eins nach dem anderen ab und denkt: “Eigentlich habe ich gar keinen Hunger, also lasse ich es einfach mal”.

Bernd: Das Witzige dabei ist, ich habe früher nie gefrühstückt. Da habe ich mir nie so viel daraus gemacht. Aber trotzdem nachher zu viel gegessen und das falsche. Dieses Frühstücken habe ich mir künstlich angewöhnt. Weil alle sagen, warum machen wir das? Das muss alles richtig sein. Ich habe mich daran erinnert: “Warte einmal, früher hast Du auch nicht gefrühstückt” und habe es wieder weggelassen. Auch ein bisschen komisch. (lacht)

Kathrin: Du gehst morgens aus dem Haus, hast wahrscheinlich einen Kaffee getrunken oder so und wann isst Du die erste Mahlzeit?

Bernd: So gegen 16:00 Uhr.

Kathrin: Das ist dann aber während der Arbeitszeit oder bist Du schon zu Hause?

Bernd: Dann bin ich zu Hause. Ich arbeite nicht so lange wie Du. Ich darf nur sieben Stunden, dann schicken sie mich nach Hause.

Kathrin:  Super, sehr gut. (lacht). 16:00 Uhr ist die perfekte Uhrzeit. Isst Du nur einmal am Tag oder isst Du abends trotzdem?

Bernd: Nein, nein, wenn das klappen würde, dann habe ich von 16:00 Uhr bis 20:00 Uhr pausenlos hunger. Zumindest habe ich den Eindruck. Das ist noch nicht so ganz ausgereift alles. Da arbeite ich dran. Abends beim Fernsehen habe ich noch eine Stunde Kohldampf. Ich teile mir das so ein, dass ich noch ein paar Nüsse esse, natürlich nicht zu viele.

Naja gut, wenn man jetzt über 50 Jahre immer Mittag und zum Frühstück um 09:00 Uhr was gegessen hat und sich das abgewöhnt hat, spielen ein paar Wochen keine Rolle mehr. Letztendlich sind es nur ein paar Wochen, wo ich tagsüber nichts mehr esse.

Kathrin: Das intermittierende Fasten hast Du in der letzten Zeit auch mit entdeckt.

Bernd: Genau, das ist seit einigen Wochen. Zuerst konnte ich das nicht. Das war so eine Stufengeschichte. Erst habe ich gesagt: “Lass das Frühstück weg, iss mittags um 12:00 Uhr etwas”. Für mittags habe ich zur Arbeit was mitgenommen. Danach habe ich gesagt: “Okay, jetzt versuchst Du es mal anders, jetzt nimmst Du nichts mehr zu Essen für mittags mit”. Ich habe mir einen Thermobecher gekauft (so einen fest verschließbaren, den jetzt jeder hat). Da habe Butter und Kokosöl reingetan und habe ihn zum Mittag mit Kaffee aufgefüllt und wie einen Shake durchgeschüttelt.

Kathrin: Sehr schlau, cooler Shake.

Bernd: Dann hatte ich festgestellt, dass auch das nicht unbedingt nötig ist. Das ging nicht von einem Tag auf den anderen. Irgendwann habe ich dann gesagt, jetzt probierst Du es ganz ohne. Bei der Arbeit klappt das.

Am Wochenende ist das Wetter nicht so toll, sodass ich nicht schwimmen gehen kann. Auch für das Modellfliegen ist es nicht optimal. Nun sitze ich zu viel in der Bude. Dann wird es schwieriger, weil der Kühlschrank mit dem Essen nebenan steht.

Kathrin: Das ist immer verführend. Das kenne ich auch. Wenn man was um die Ohren hat, dann ist es alles gar nicht so wichtig.

Bernd: Bei der Arbeit ist das absolut lächerlich, da fühle ich mich topfit. Manchmal denke ich, wenn ich von der Fähre am Hafen unten in das Dorf gehe: “Jetzt, wenn Du reinkommst, musst Du sofort was essen”. Dann fällt mir ein: “Nö, eigentlich wolltest Du noch einkaufen, eigentlich wolltest Du noch zum Schwimmen”. Wenn ich dann beim Einkaufen bin, ist die nächste riesengroße Veränderung, dass ich dann nicht wie ein Wahnsinniger alles einkaufe, weil ich hunger habe. Nur das, was auf dem Zettel steht kaufe ich ein. Das war früher auch anders. Wenn ich hungrig einkaufen gegangen bin, sind Sachen im Wagen gelandet, die da nichts zu suchen haben. Das ist nicht mehr.

Kathrin: Was Du ganz schön beschreibst ist – was ich auch immer empfehle – einfach ausprobieren und gucken, womit man am Besten zurecht kommt. Mal eine Phase von ein paar Wochen machen, irgendwie wenn man denkt, jetzt probiere ich es wirklich mit dem intermittierenden Fasten tagsüber aus. Dann gucken, wie man klar kommt. Wenn Du irgendwie am Abend rumdokterst, dann dauert es eben eine Weile, bis Du irgendwann feststellst: “Nö, das mache ich jetzt doch irgendwie anders”.

Bernd: Das kann passieren. Ich hätte Dir im Laufe der Zeit bei so einem Interview/Gespräch jedesmal was anderes erzählt, weil sich das ganze weiterentwickelt.

Kathrin: Das ist aber auch schön – das sagen wir auch immer. Wir sind insgesamt alle auf dem Weg.

Sag mal, Du sagtest eben, Du hast mit Anikas Buch angefangen und hast viel gelesen. Das wollen wir im Einzelnen gar nicht so sagen. Ist denn Lesen insgesamt wichtig oder was hilft Dir bei der Auseinandersetzung mit der Ernährung? Ist das noch ein großer Fokus für Dich aktuell oder ist es so, dass es bei Dir eher nebenbei läuft?

Bernd: Das ist ein bisschen schwierig zu erklären. Die ganze Sache interessiert mich sehr. Wie soll ich das erklären, mhhh… Dass wir tatsächlich 50 Jahre lang verarscht worden sind. Dass diese Ernährungslehre völlig offensichtlich ist und nicht irgendwo mit Religion oder Irrglauben zu hat, sondern völlig richtig ist. Von Ärzten abgelehnt wird, die das nicht glauben und was anderes empfehlen.

Ich habe letztens dann bei uns bei uns in der Firma  im Intranet nachgeguckt. Es gibt ein Webinar vom Schlafen, also wie man genug Schlaf bekommt. Ich dachte nur: “Für was interessieren die sich da?” Ich habe draufgeklickt und bin irgendwann bei einem Diät-Ratgeber gelandet. Das war dann auch die “Dare”, die amerikanische Gesellschaft für Diabetiker. Die haben den gleichen Mist empfohlen, wie hier in Deutschland. Die haben gesagt, man solle ordentlich Kohlenhydrate essen und zwar bis 67%. Das ist so, als würde man sich umbringen und keiner sieht das ein. Solche Dinge finde ich sehr faszinierend.

Kathrin: Es tut manchmal fast weh, wenn man sowas liest, finde ich. Vor allem mit dem Wissen, was wir so haben. Da muss ich dann immer tief ein- und ausatmen und man kann nur wünschen, dass viele Leute dann durch die Zufälle und durch’s Weitererzählen auf Low Carb High Fat stoßen.

Apropos Weitererzählen, das hatten wir neulich auch schon einmal. Du bist schon ein kleiner Weitererzähler – kann man doch sagen oder?

Bernd: Ja, ja… Ich wäre gerne ein großer Weitererzähler, leider bin ich ein kleiner Weitererzähler. In der Firma habe ich mehr Einfluss auf die Leute, die sehe ich öfters. Das ist schon richtig heftig, damit habe ich nicht gerechnet. Da ist Low Carb schon für einige Leute ein Begriff. Mein bester Kumpel ist wirklich absolut davon überzeugt und meint, das ist die richtige Art. Er hat mir gerade wieder was erzählt, wo ich so schmunzeln musste: Der war am Wochenende auf einem Bio-Hof, die hatten einen Tag der offenen Tür. Dort haben sie ein Spanferkel gegrillt. Da ist er dann hin, schön mit seinem Teller und holt sich dann auch noch so ein Stück. Er erzählte weiter, dass rechts eine Platte stand, da lag nur Fett drauf. Das ganze Fett haben sie immer abgeschnitten und bei Seite gepackt, weil es keiner haben will. Timo fragte: “Was macht ihr denn damit?” “Ja weiß nicht… “. Da sagte Timo: “Legt doch mal davon was auf die Teller”. Das konnte der Typ gar nicht glauben. “Ja”, sagte Timo, “das nimmst Du jetzt und legst das drauf”. Dann hat er das gemacht und alle rundum glotzen ihn an, denn Timo ist ganz schlank. Die konnten das nicht begreifen. Da hat er sich eine schöne Portion Fett geben lassen – wie sich das gehört…

Kathrin: Herrlich, lecker und dann so schön knusprig wahrscheinlich auch noch.

Bernd: Da gehe ich mal davon aus, das schmeckt bestimmt gut. Aber das wollte keiner haben. Das ist so typisch.

Kathrin: Das ist gut, wenn Du in Deiner Firma ordentlich für Furore gesorgt hast. Bist Du sonst auch erfolgreich, was das angeht, so in Deinem Umfeld?

Bernd: Mhhh… ich war Sonnabend auf einer Grillparty von einem Kumpel, der bei unserem Auftritt auch Gitarre gespielt hatte. Dort war Low Carb schon ein Thema. Seine Lebensgefährtin, die das auch veranstaltet hat, die kam gleich an und sagte: “Low Carb, Du tust das ja, sowas will ich auch machen, ich will dies und das abnehmen und Sport machen. Es gibt so tolle Rezepte…” Die war da völlig begeistert und ich dachte: “Ohh guck an, das spricht sich doch rum”. Der Kumpel, auch ein Gitarrist – es sind alles Gitarristen, Schlagzeuger braucht man auch nur einen – der sagte auch, dass er abgenommen hat. Aber der säuft zu viel. Das bekomme er nicht in Griff, das Bier muss immer rein. Trotzdem ist das Thema noch nicht gestorben, der sagte auch: “Ich mach dann hier… da esse ich das und da das”. Der hat auch schon 10 kg abgenommen, aber dem fehlt noch viel.

Naja, das ist durchaus ein Thema. Es ist schwierig, dass das noch nicht ankommt. Dann hat er gegrillt und ich stehe da mit dem Teller – da war nur Fleisch drauf, es gab nichts anderes. (Lacht). Gegenüber saß ein ganz Schlanker – war irgendwie der Mann von der Sängerin – der guckte so und sagte zu mir: “Von Gemüse hältst Du nicht viel”. Ich so: “Wieso? Ich habe hier eine Wurst, das ist eigentlich das was ich haben sollte und das hier, das ist das gute Nackengemüse. Aber das kennst Du nicht.” (beide lachen).

Die Beilagen, die die da hatten, das waren gekaufte Salate. Ich habe tatsächlich einmal eine kleine Gabel probiert und ich bekam das nicht runter. Das war nur süss und es schmeckte nicht. Das geht nicht!

Kathrin: Dann finde ich auch, sollte man es nicht essen. Vor allen Dingen, triggert das einfach sofort. Ich merke das oft  bei fertigen Salaten. Ganz gefährlich, weil ich ihn liebe “Cole Slaw”, weil er einfach mit Zucker ist.

Bernd: Das ist amerikanisch, klar.

Kathrin: Dann bekommst Du sofort einen schnellen Heißhunger. Da muss ich immer einen Bogen drum machen, weil ich ihn einfach echt gerne mag.

Bernd: Cole Slaw nicht, aber da war nichts für mich dabei. Da dachte ich, schade. Hätte er mal was sagen können, dann hätte ich eine Salattorte mal ausprobieren können, oder so. Es lohnt sich nicht, für mich alleine was zu machen. (lacht)

Auch die Grillsoßen gingen natürlich nicht. Ein bisschen THOMY Senf war dabei, von dem ich etwas genommen habe.

Kathrin: Stimmt, wo Du das sagst, die Salattorte… Da bringst Du mich auf etwas. Das muss ich einfach mal bei so einem Grillfest machen, also wenn man ein paar Leute da hat. Sehr schön..

Du sagtest gerade, Du bist viel klarer im Kopf. Das macht die Ketose mit Dir, dass Du sagst, ich bin mental fit im Büro. Was macht dieser gute körperliche Zustand noch mit Dir? Wozu führt das?

Bernd: Das ist völlig unbeschreiblich. Ich denke immer noch, dass das gar nicht wahr ist. Ich habe es auf die Ketose gar nicht angelegt, also nicht gemessen oder so. Ich habe aber die Kohlenhydrate immer ganz klein gehalten. Das war einfach vom Essen her so. Fleisch, viel Gemüse, Fett dazu und keine Kohlenhydrate.

Es war letztes Jahr genau um diese Zeit. Ich sitze in der Firma und denke, was ist denn los? Mir ging es einfach so gut, dass mir das unheimlich war. Auch im Urlaub stand ich jeden Morgen auf und es war alles total klar. Ich hatte teilweise wirklich Angst, es passiert jetzt irgendwas Schlimmes. Es geht mir nur so gut, weil irgendwas passieren wird. Es ist nichts passiert! Mir geht es immer noch gut. (beide lachen). Da war es irgendwie merkwürdig, genau wie ich schon einmal geschrieben hatte – als wenn man eine 40 Watt Birne gegen eine 100 Watt Birne ausgetauscht hat. Es fielen mir Sachen viel leichter, irgendwas zu lernen oder zu behalten. In der Firma war in dem Moment nur Routinearbeit, die man auch so machen kann. Das geht so von der Hand, da war jetzt nicht ein Projekt, wo man sich einen Kopf drum machen musste.

Ich hatte zuhause noch einen Bausatz liegen, für einen 3D-Drucker. Das sah immer so aus, wie ein Mülleimer voll mit sinnlosen Teilen. Den hatte ich schon drei Jahre liegen und hatte gedacht, den bekommst Du nie zusammen. Man musste dafür so viel lernen, Hardware, Software und einstellen und ausrichten… oh Gott, oh Gott. Das bekommst Du nicht hin. Genau den habe ich dann gebaut. Da musste ich auch sagen, was ich da in kurzer Zeit alles gelernt habe: Über das Betriebssystem, über die Software, über das Slashen und das ganze Drahtlos und vom Wohnzimmer aus steuern. Das hat alles funktioniert. Ich habe das alles selbst hinbekommen. Ich war selbst überrascht.

Kathrin: Du sagtest auch einmal in einem Nebensatz, dass Du auch anders an die Dinge rangehst.

Bernd: Das hängt auch mit mehreren Sachen zusammen. Ich habe früher immer gedacht, dass alle Leute, die schlank sind, mir überlegen sind. Sie machen was richtig und ich bin dick und mache was falsch. Ich bin zu blöd irgendwie. Das steckte so irgendwo drinnen. Das ging dann also so weit, dass ich gesagt hatte: Ich habe eine Idee, aber wenn das funktionieren würde, dann hätte es schon jemand anders gemacht. Das war ganz merkwürdig. Das hat sich total verändert. Erst einmal gehe ich gerne auf die vermeintlich Schlanken zu und rede mit denen, um herauszubekommen, was die so essen. Es kommt relativ oft vor, dass jemand auf mich zukommt und sagt: “Mensch, Du bist ja nur noch die Hälfte und wie hast Du das denn gemacht?”, sodass ein Gespräch entsteht. Den letzten, den ich jetzt befragt hatte dazu – der ist an der CNC Drehmaschine, da wollen wir ein Projekt machen und ich hatte mit ihm gesprochen. Der ist so ganz dünn. Früher hätte ich immer gesagt, das ist toll, der kann essen was er will und mit dem möchte ich gerne tauschen. Um Gottes Willen…Ich suchte eine Zeichnung, dann sehe ich da was. “Was hast Du denn da?” Da hat er so ein Schieberding für morgens-mittags-abends Medikamente. “Was liegt denn da für ein Ding rum? Was hast Du da für einen Mist drin? Erzähl mal.” Man hat ihm am Herz zwei Stands eingesetzt. Dann war das eine Medikament für Blutverdünner, das andere für Blut, das für das… Ich sagte: “Yo, dass frisst man”. Er sagte: “Ich soll mit dem Rauchen aufhören, das schaffe ich nicht”. Ich sagte. “Ja, hör mal mit dem Rauchen auf und iss keinen Zucker mehr und dann passt das auch. Aber das glaubte er mir nicht” (lacht).

Kathrin: Schlank heißt nicht automatisch gesund. Das Du das dann so projiziert, dass derjenige Schlauer ist, das finde ich echt hart.

Bernd: Das hatte ich so. Das steckte irgendwie ein bisschen drin. Das ist jetzt überhaupt nicht mehr der Fall. Der im Büro neben mir sitzt, der ist mein Jahrgang, also so ein ganz Langer. Neben mir hat eine Mrs. Schleswig Holstein gewohnt und die hat mit diesem Typ was gemeinsam. Was könnte das sein? Die qualmen beide wie Lokomotiven. Sowohl die blonde Mrs. Germany, wie auch er wissen auch, wenn man raucht, bleibt und ist man schlank. Sehr schlau (lacht)

Kathrin: Aber auch schön ungesund. Wahnsinn.

Bernd: Blödsinn, man bleibt auch nicht schlank dabei, das ist quatsch (lacht)

Kathrin: Das bilden sich die meisten aber ein. Ich weiß gar nicht genau, was das mit dem Stoffwechsel macht, wenn man aufhört zu rauchen oder ob man da einfach mehr futtert, um das zu kompensieren? Da sind wahrscheinlich alle Wahrheiten drin… Mit Nichtrauchen habe ich auch schön 10-15 kg draufgepackt.

Wenn Du jetzt beides vergleichst, Dein Leben vor LCHF und Dein Leben heute: Vorhin hattest Du es schon mit der Regenjacke. Was hat sich wirklich zum Positiven verändert? Fällt Dir da ein ganz einfaches Beispiel ein oder Du kannst jetzt richtig pathetisch werden? (beide lachen)

Bernd: Das ist eine ganz andere Geschichte. Ich hatte vorher Situationen, dass ich mir die Schuhe nicht zu machen konnte. Es geht damit los, dass man Panik hat, dass der Schuh aufgeht. Was mache ich dann? Oder, wenn ich mit der Fähre fahre und es glatt ist, gehe ich ganz vorsichtig rüber. Es ging gar nicht um die Angst des Hinfallenens, sondern des wieder Hochkommens. Es ging ohne Hilfe gar nicht. Meine jetzige sportliche Höchstleistung ist, dass ich auf einem Knie runter gehe und Schuhe zubinde. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schaffen könnte in diesem Leben. Man geht leichter durch das Leben und man hat etliche Sorgen weniger.

Wir sind mit der Arbeit zu einer Schulungseinrichtung, die wir betrieben haben, geflogen. Der Sicherheitsgurt im Flugzeug ist gerade eben noch zu gegangen. Sonst hätte ich eine Verlängerung gebraucht. Dann gab es noch spezielle T-Shirts für die Schulung. Da macht man sich Gedanken, ob die eins haben, wo ich rein passe. Das sind alles Dinge, die sind unglaublich.

Das Schlimmste, was ich erlebt habe und wovon ich auch geträumt hatte, war von einer Situation in der Firma: Wir hatten ein Standwork – das ist sowas wie eine Anleitung schreiben. Da sind wir immer drumherum gegangen mit drei/vier Leuten. Ich hatte da immer Notizen gemacht, was wie und wo gemacht werden musste. Eine Stelle war da, die war ganz eng, da passten alle durch, nur ich nicht. Das war absolut entsetzlich. Wenn ich merkte, dass die alle wieder in die Richtung gingen und da durch wollten, bin ich zurückgegangen und habe so getan, als hätte ich was anderes zu machen, um die auf der anderen Seite wieder zu treffen. Das war schlimm und da habe ich richtig von geträumt. Das war überhaupt nicht lustig.

Letzten war in der Werkstatt was – das hatte damit nichts zu tun  – da fragte ich jemanden was. Der ist dann an einer engen Stelle durch gehoppst und ich bin natürlich ganz locker durchgegangen. Ich musste dann daran denken, wie schrecklich es damals in der anderen Halle war. Das sind so Schlüsselerlebnisse.

Kathrin: Das Bild werden wir auch zu dem Blogartikel stellen.

Sag mal, Du hast körperlich eine tolle Veränderung gemacht, wenn Du sagst, Du gehst jetzt durch diese Lücke und freust Dich. Ist es denn grundsätzlich bei Dir angekommen, wie Du Dich verändert hast? Manchmal dauert es ein bisschen, bis der Kopf und der Körper wirklich miteinander synchron sind, im Sinne von es realisiert haben, dass der Körper einfach ganz anders ist.

Bernd: Im Prinzip schon. Das Beispiel, das ich neulich schon erzählt habe mit dem Laufen. Wir mussten mit dem Bus fahren und der kam schon an. Zwei Kollegen, die nie laufen und in meinem Alter sind, die liefen einfach los und ich blieb stehen und dachte :”Du brauchst gar nicht loszulaufen, Du kannst ja eh nicht.” Dann dachte ich: “Warte mal, bin ich bescheuert? Ich bin doch jede Woche auf dem Laufband, natürlich kann ich das.” Ich habe dann Gas gegeben und die beiden sogar noch überholt. War ein bisschen witzig (beide lachen).

Oder: Einer Dame ist die Handyhülle runtergefallen und ich dachte, schade, die würdest Du gerne aufheben, aber kannst Du eh nicht. Dann dachte ich mir: Bist Du bekloppt, natürlich kannst Du das (lacht). Am Anfang, mit meinem Kampfgewicht wäre das schwierig geworden.

Kathrin: Wahnsinn, wie schön das ist, dass das alles wieder geht.

Bernd: Ich hatte mal was ganz Besonderes: Die Campingstühle, die werden ja aufgeklappt – Angelstühle heißen die auch. Die haben keine richtige Armlehne, sondern nur so ein Band, was durchhängt.  Wenn man Fett ist und in so einem Stuhl liegt oder auch Schwangere – die müssen sich an der Lehne abstützen um aufzustehen, aber wenn man keine Lehne zum abstützen hat, was macht man dann? Ich konnte aus diesem blöden Stuhl nicht rauskommen. Wenn ich auf dem Modellplatz bin und so einen Stuhl aufstelle, muss ich immer daran denken. Jetzt ist das alles lächerlich. Das war total blöd.

Kathrin:  Apropos blöd: Das wollte ich Dich auch fragen: Gibt es irgendwelche Dinge, die Dich an LCHF stören? Oder was Dir auf den Wecker geht? Du bist ja immer der Freund des geraden Wortes. Einfach frei raus..

Bernd: Wenn man eingeladen ist oder mit anderen Leuten was zu tun hat, ist es außerordentlich schwierig. Ich habe beschlossen, keinen Alkohol zu trinken, das hat sich schrittweise ergeben. Wenn man abnehmen will, ist Alkohol nicht gut. Dann wurde das immer weniger und dann nur noch bei besonderen Gelegenheiten. Mir ging es ohne Alkohol so gut, dass ich gar keinen mehr trinke. Das ist einer der größten Sachen, die man in der heutigen Gesellschaft machen kann. Wenn man dann nebenbei nicht alles isst, was auf dem Tisch steht, – eigentlich meist gar nichts, was auf dem Tisch steht – dann wird es richtig schwierig, wenn man irgendwo sitzt und man will ein Glas Wasser. Dann ist man der schlechteste Gast der Welt. Man war dann auch zum letzten Mal eingeladen. Ich weigere mich aber, irgendwas zu essen und zu trinken, um anderen Leuten zu gefallen. Ich will das einfach nicht, oder nicht mehr. Das hat sich auch verändert. In früheren Zeiten hatte ich gedacht, Du müsstest, wenn Du abnehmen willst aufhören, Dich am Wochenende zu besaufen. Das geht aber nicht, dann haben Deine Kumpels Dich nicht mehr lieb. So war das mal, ist Gott sei Dank nicht mehr so.  

Kathrin: Dann sagst Du halt, die Kumpels müssen irgendwie klar kommen. Dann ist es eben nicht mehr der Kumpel oder? Das wäre jetzt mein Gedanke.

Bernd: Ist richtig, aber die kommen da auch mit klar.

Kathrin: Oder die müssen sich daran gewöhnen. Das ist meistens auch eine Sache, wo man sich im Freundeskreis erst einmal eingewöhnen muss.

Bernd: Das ist auch nicht mehr das Problem, die waren auch alle auf der Grillparty. Der Gastgeber sagte auch “Ich habe genug Selders da” oder ich sagte “Nee, koch mir noch einen Kaffee (beide lachen). Die haben sich damit abgefunden. Aber es ist schwierig, zum Beispiel mit den Nachbarn, wenn man da zusammensitzt oder so. Das ist nicht ganz einfach, weil die schon oft und einige Male zu mir gesagt haben, wie toll sie das finden, wieviel ich abgenommen habe und wieviel ich gewogen habe. Wenn man dann zusammen sitzt, sind die Leute der Meinung, dass man dann eine Ausnahme machen kann. Ich will das gar nicht, denn ich denke, wenn ich irgendwas esse, wie Brötchen, irgendwas mit Mehl oder Zucker, wird es mir vielleicht sogar ganz schlecht.

Kathrin: Warum auch? Da hast Du eine “super Denke drauf”. Ich finde das ganz großartig.

Bernd: Es ist nicht immer so einfach. Ich habe nicht immer Lust zu lügen. Ich muss an die Geschichte mit den Nudeln denken. Als die dann eine Unverträglichkeit vorgeschoben hat, dann gab es nachher irgendwelche glutenfreie Nudeln, die sie dann auch nicht wollte. Das kommt dann dabei heraus. Ich konnte das gut nachvollziehen.

Kathrin:  Bernd, ich finde Du hast einen grandiosen Weg hingelegt bis hierhin. Ich bin mir ganz sicher, dass der auch noch super weitergeht. Du wirkst für mich sehr sicher in Deinem ganzen LCHF Lebensstil. Das freut mich immer wieder auf’s Neue. Mich würde noch interessieren: Wenn jetzt hier jemand sitzt, sagen wir ein Mann und überlegt: “Oh Mann, der hat eine Story hinter sich”. Es hat auch ein paar Schattenseiten, wenn man so richtig rein horcht.

Bernd: Ich glaube sogar, bei Anika im Forum und als ich letztens bei Dir war – ich kann auch falsch liegen – auch zwei, drei Männer da waren, die gute Vorsätze hatten. Einer hatte sogar einen Blog gestartet, die waren innerhalb von kürzester Zeit von der Bildfläche verschwunden. Ich glaube das liegt daran, wie ich gesagt habe: Wenn der Schwiegervater oder der Kumpel kommt und sagt: “Ey, trink mal ein Bier mit” oder so, dass das daran scheitert. Wenn sie da mit einem Selters sitzen oder so, dass sie dann Angst haben, es hat sie niemand mehr lieb.

Kathrin: Das ist einfach eine der größeren Hürden, wenn man wirklich abnehmen will oder wenn man halten möchte. Ich trinke durchaus auch ein Glas Wein oder so. Man muss dem Alkohol gar nicht ganz abschwören, das muss jeder für sich entscheiden. Bier ist natürlich sehr schwierig, das verzeiht ein Körper, der insulinresistent ist, wie unserer, nur ganz schwer. Da habe ich schon böseste Rückfälle.. was heißt Rückfälle, so einfach mal ein Bier getrunken, dann kommt der Hunger, dann bist Du wieder in dieser Falle drin. Das ist mir eben auch zu anstrengend. Ich unterstreiche das, was Du sagst, dass es zuviel Kraft kostet und man sich damit am Ende zu schlecht fühlt.

Wenn jetzt aber einer da sitzt und sich das hier angehört hat, was ist Dein Tipp, um gut reinzukommen in den LCHF Lebensstil? Hast Du noch irgendwas auf Lager, wo Du sagst, einfach losmarschieren? Oder wie ist das Erfolgsgeheimnis, was wir alle von Dir lernen können?

Bernd: Man muss ehrlich zu sich sein. Nicht jetzt so wie die Kumpels auch sagen: “Ich trinke nur am Wochenende”. Das interessiert den Körper nicht. Ob Wochenende oder ob Montag ist, das ist nunmal schlecht. Man muss ehrlich zu sich selbst sein und man darf nicht sagen: “Ich mache das zum letzten Mal und ich darf nie wieder Bier trinken”. So darf man an die Sache nicht dran gehen. Ich würde jetzt sagen: “Okay, ich verzichte jetzt auf das, bis mal eine besondere Gelegenheit da ist”. Dann kann es eventuell bei dem Verzicht so sein, dass eine besondere Gelegenheit nie kommt. So gehen wir an die Sache ran. Nicht sagen, ich habe mein letztes Bier getrunken oder meine letzte Kartoffel gegessen. Außer beim Rauchen, bei der letzten Zigarette, dann muss es das sein. Ansonsten nicht.

Kathrin: Das ist schön, dass man da nicht so negativ rangehen sollte,  sondern eher sich sagen: “Ich mache jetzt was für meine Gesundheit und für mich”.

Bernd: Auch ehrlich zu sich selbst sein und man sollte mal auflisten, was man isst. Durch einige Dinge muss ich sagen, da muss man durch. Mein Arbeitskollege der sagte, dass er soviel Zucker in sich reingestopft hatte. Die ersten zwei Wochen waren nicht so schön, sodass er einen Zuckerentzug hatte. Jetzt ist er glücklich darüber, dass er von dem Stoff weg ist. Er steht absolut dazu, obwohl die Familie nicht so richtig mitzieht.

Kathrin: Das ist bei ganz vielen so.

Bernd: Da muss man durchhalten. Er sagte, seine Mutter – da hatte er im Garten geholfen oder so – die wusste das schon. Die hatte auch Low Carbtechnisches da.

Kathrin: Bernd, ich freue mich riesig, dass wir das angezettelt haben. Ich bin mega stolz auf Dich und freue mich auch über die Bilder, die Du vorhin geschickt hast. Die stelle ich zu dem Blogartikel dazu und jeder kann noch einmal nachgucken, wie das so ausschaut. Wer jetzt von außen irgendwie auf dieses Audio gestoßen ist, der kann auf LCHFBlog.de gucken, da ist ein Artikel über Bernd und seine Erfolge.

Das Coole bei euch Männern ist, dass ihr schon große Schritte macht. Genau wie bei Dir, mit 35 kg. Das ist wirklich in 1 ½ Jahren immer flott erreicht. Irgendwann kommt das berühmte Plato. Da sind wir Frauen ein bisschen neidisch und gucken dahin. Aber ich gönne es Dir von Herzen (beide lachen).

Toi, Toi, Toi auf Deinem weiteren Weg. Wir sind sowieso vernetzt und bleiben uns gewogen. Ich kann allen nur empfehlen: Macht es Bernd nach, weil das ein guter Lebensstil ist und es bringt viel für die Gesundheit.

Bernd, Dein Schlusswort!

Bernd: Man kann mich gerne ansprechen oder anfragen, wenn jemand was wissen will. Ich bin immer gerne bereit zu helfen.

Kathrin: Wir können auch, wenn ich das bei Facebook poste, unterhalb des Postes anbieten, wenn Du magst, dass Du da auch Rede und Antwort stehst. Wir haben jetzt über 50 Minuten. Da werden wir jetzt nichts rausschneiden, da wird vielleicht noch die eine oder andere Frage kommen. Dann können wir das gerne klären, dafür ist die Welt heute total vernetzt.

Bernd: Das können wir machen.

Kathrin: Danke, Bernd. Vielen, vielen herzlichen Dank für unser Gespräch.

Bernd: Ich danke Dir, dass Du mir zugehört hast.

Kathrin: Super gerne, das weißt Du doch. Es war wie immer ein Fest mit Dir zu sprechen. Also mach es gut und schöne Grüße in die ganze Welt. Low Carb High Fat, rock it!